Türkisch

 

Die Verkettung der Ursachen, Buddhistischer Lehrtext in alttürkischer Sprache, in: A. v. Gabain, Alttürkische Grammatik, Wiesbaden 31974, 290.

 

Wer sich zunächst mit indoeuropäischen Sprachen beschäftigt hat, zum Beispiel mit Deutsch, Englisch, Französisch oder Russisch, betritt mit dem Erlernen der türkischen Sprache eine neue Welt. Die Wörter, soweit sie nicht Lehn- oder Fremdwörter sind, haben keinerlei Verbindungen zum indoeuropäischen Vokabular.

Die Grammatik ist zwar einprägsam aufgebaut und kennt nicht so viele Ausnahmen, wie in manchen anderen Sprachen, entspricht aber einem völlig anderen Typus. Es werden regelrechte Wortketten gebildet. Zum Beispiel bedeutet evlerinizdeyiz: ev (Haus), ler (Plural), iniz (eure, Ihre), de (in), yiz (wir sind), also: Wir sind in euren/Ihren Häusern.

Ein weiteres Merkmal ist die Vokalharmonie. Der Vokal des Stammes bestimmt, ob in den Endungen helle oder dunkle Vokale vorkommen. Ein Beispiel: Im Wort yɪl (Jahr) steht ein dumpfer Vokal, also lautet der Plural yɪllar (Jahre). Die Pluralendung -ler wird an Stämme mit hellen Vokalen angehängt.

Ḫoğa Naṣreddīn, Tevzel Yori, Diyanyolu, Klodrarer Cad., Nr. 7, Istanbul

 

Die Existenz des Uigurischen in Nordwestchina weist auf die Heimat der Turksprachen hin.

Die Turkvölker waren ursprünglich Reiternomaden. Ihre älteste Sprachform ist im Alttürkischen überliefert. Zu dieser Zeit war der Buddhismus die vorherrschende Religion.

Zur Zeit des Mitteltürkischen differenzierten sich die einzelnen Turksprachen.

Ḫoğa Naṣreddīn, in: Richard F. Kreutel, Osmanisch-türkische Chrestomathie, Wiesbaden 1965, 3.

 

Im Osmanischen wird die türkische Sprache mit arabischen Buchstaben geschrieben. Diese ursprünglich vokallose Schrift eignet sich nicht besonders gut, um die Phoneme der türkischen Sprache auszudrücken. Seit dem 3. November 1928 wird Türkisch mit lateinischen Buchstaben geschrieben.

 

Ḫoğa Naṣreddīn, Dünne Brühe (Die Brühe der Hasenbrühe), in: Richard F. Kreutel, Osmanisch-türkische Chrestomathie, Wiesbaden 1965, 5-

Zu den Turksprachen gehören außer Türkisch: Aserbaidschanisch, Baschkirisch, Kasachisch, Kaschkaisch, Kirgisisch, Tatarisch, Turkmenisch, Uigurisch und Usbekisch. Das Tschuwaschische ist zwar eine Turksprache, geht aber nicht auf den alttürkischen Typus zurück.

 

Ḫoğa Naṣreddīn, Die Brühe der Hasenbrühe, in: Die besten Geschichten von Nasreddin Hodscha, erzählt von Celal Özcan, übersetzt von Rita Seuß, München 2014; 62022, 54f.

 

Buddhistischer Text in sogdischer Schrift und alttürkischer Sprache, aus: A. v. Gabain, Alttürkische Grammatik, Wiesbaden 31974, 29.

 

 

Bibliographie

Alttürkisch

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·     Gabain, Annemarie von (1901-1993), Alttürkische Grammatik mit Bibliographie, Lesestücken und Wörterverzeichnis, auch neutürkisch, Porta linguarum orientalium, Neue Serie, Band XV, Leipzig 1941; Berlin 1950; Wiesbaden 1974.

·     Gabain, Annemarie von, Alt-türkisches Schrifttum, Sitzungsberichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Philosophisch-historische Klasse, Jahrgang 1948, Nr. 3, Berlin 1950.

·     Johanson, Lars, Alttürkisch als „dissimilierende Sprache“, Mainz 1979.

·     Laut, Jens Peter, Buddhistische Erzählliteratur und Hagiographie in türkischer Überlieferung, Veröffentlichungen der Societas Uralo-Altaica, Band 27, Wiesbaden 1990.

·     Röhrborn, Klaus, Der Buddhismus im Alttürkischen, herausgegeben von Gökhan Șilfeler und Zekine Özertural, Veröffentlichungen der Societas Uralo-Altaica, Band 97, Wiesbaden 2023.

·     Turėg bičėėsnij hėlnij ugijn butcijn tolʼ (Das Wörterbuch der Wortstruktur der alttürkischen Inschriften), Köln 2020.

Mitteltürkisch

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Osmanisch

·     Buğday, Korkut M., Osmanisch. Einführung in die Grundlagen der Literatursprache, Wiesbaden 1999.

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Aserbaidschanisch

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Kasachisch

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·     Landmann, Angelika, Kasachisch. Kurzgrammatik, Wiesbaden 2012.

Kaschkaisch

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Kirgisisch

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·     Landmann, Angelika, Kirgisisch. Kurzgrammatik, Wiesbaden 2011.

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Tatarisch

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·     Ersen-Rasch, Margarete I., Tatarisch. Lehrbuch für Anfänger und Fortgeschrittene, Wiesbaden 2009.

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·     Prokosch, Erich, Krimtatarisch-deutsches Glossar, Grazer linguistische Monographien, Band 21, Graz 2007.

Tschuwaschisch

·     Benzing, Johannes (1913-2001), Deutsch-tschuwaschisches Wörterverzeichnis nebst kurzem tschuwaschischen Sprachführer. Berlin 1943.

·     Benzing, Johannes, Kleine Einführung in die tschuwaschische Sprache, Berlin 1943.

·     Landmann, Angelika, Tschuwaschisch. Kurzgrammatik, Wiesbaden 2014.

·     Sirotkin, Michail Ja., Чувашско-русский словарь (Tschuwaschisch-russisches Wörterbuch), Moskau 1961.

Türkische Lehrbücher

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·     Jansky, Herbert, Lehrbuch der türkischen Sprache, Leipzig 1943; überarbeitet und erweitert von Angelika Landmann, Wiesbaden 1985; Wiesbaden 1999.

·     Savaşçɪ, Özgür, Langenscheidt Türkisch mit System. Der praktische Sprachkurs. Mit System zum Erfolg, Berlin und München 2012.

Türkische Wörterbücher

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Türkische Lektüre

·     Çağdaş türk öyküleri. Zeitgenössische türkische Erzählungen, Auswahl und Übersetzung von Wolfgang Riemann, München 1990; 21993.

·     Die besten Geschichten von Nasreddin Hodscha, erzählt von Celal Özcan, übersetzt von Rita Seuß, München 2014; 62022.

·     Hoş Geldin. Die Türkei in kleinen Geschichten, erzählt von Celal Özcan, übersetzt von Rita Seuß, illustriert von Frieda Wiegand, München 1994.

·     Türk ata sözleri. Türkische Sprichwörter, Auswahl und Übersetzung von Celal Özcan und Rita Seuß, mit Zeichnungen von Ina Seeberg, München 1996.

·     Türk klasikler. Öyküler. Moderne türkische Klassiker. Erzählungen, Auswahl und Übersetzung von Wolfgang Riemann, München 1994.

Turkmenisch

·     Baskakov, N. A. (1905-1996), Русско-туркменский словарь (Russisch-turkenisches Wörterbuch), Moskau 1956.

·     Frank, Allen J., und Jeren Touch-Werner, Turkmen-English Dictionary, Kensington, Md. 1999.

·     Landmann, Angelika, Turkmenisch. Kurzgrammatik, Wiesbaden 2013.

Uigurisch

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·     Özertural, Zekine, und Klaus Röhrborn, Uigurisches Wörterbuch, 3 Bände, Stuttgart 2023f.

·     Sadvakasov, G., Язык Уйгуров Ферганской долины (Die Sprache der Uiguren des Ferghanatales), Alma-Ata 1970.

Usbekisch

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Landeskunde und Kulturgeschichte

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·     Renz, Alfred, Land um den Ararat. Osttürkei – Armenien, München 1983.

·     Schmidt, Klaus, Sie bauten die ersten Tempel. Das rätselhafte Heiligtum der Steinzeitjäger. Die archäologische Entdeckung am Göbekli Tepe, München 2006; München 22006; München 32007; München 42008; München 52016.

·     Zick, Michael, Türkei. Wiege der Zivilisation, Stuttgart 2008.

 

 

© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2025

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