Akkadisch
Sargon von Akkad machte die Stadt Akkad im späten dritten Jahrtausend vor Christus zum Zentrum seines Reiches. Die Lage dieser Stadt geriet in Vergessenheit. Es ist üblich geworden, akkadisch als Oberbegriff für die beiden Sprachen assyrisch und babylonisch zu gebrauchen, welche nach den Hauptstädten der jeweiligen Reiche, Assur und Babylon, benannt sind.
Akkadisch wird in Keilschrift geschrieben. Dabei wird ein Griffel in weichen Ton gedrückt und es entstehen keilförmige Schriftzeichen, die sich im Laufe der Zeit stark verändert haben.
René Labat, Manuel dʼépigraphie akkadienne, Paris 1948; herausgegeben von Florence Malbran Labat, Paris 61988, 44: ṣu idū wissen; su zumru Körper; šen ellu klar; bala palū (Jahr der) Regierung.
Wer Arabisch oder Hebräisch lernt, sieht sich einem harmlosen Alphabet gegenüber, das rasch gelernt ist. Die Keilschrift stellt aber keine Buchstaben, sondern Silben dar, und so gibt es 954 mesopotamische Keilschriftzeichen.
Die Keilschrift wurde von den Sumerern erfunden. Sumerisch ist keine semitische, sondern eine isolierte Sprache wie Baskisch, die keine lebenden Verwandten haben. Wer also ein Keilschriftzeichen kennenlernt, erhält zunächst die sumerische Lautung und dann die akkadische. (Siehe die oben angeführten Beispiele bei Labat.)
Ich begann meine Lektüre mit dem Codex Hammurapi („Vaterbruder-Heiler“; † 1750 vor Christus):
Codex Hammurapi, Prolog, herausgegeben von Heinz-Dieter Viel, Göttingen 2002, 335.
Hier zeigt sich, warum ich es auf mich genommen habe, die akkadische Sprache und Literatur zu studieren: Der Codex Hammurapi ist die älteste Gesetzessammlung der Welt. Andere Superlative sind: Die sumerisch-akkadische Literatur bietet den ältesten erhaltenen schriftlichen Weltentstehungsmythos (Enuma eliš). Gilgameš fand in der letzten Zeit viel Aufmerksamkeit. Seine Entwicklung von einem tierähnlichen Wesen zum Menschen ist bemerkenswert. Die Sumerer erfanden die Mathematik, die Geschichtsschreibung, die Literatur und die Theologie.
Sanherib, Königsinschrift, in: Rykle Borger, Babylonisch-assyrische Lesestücke, Heft 3, Rom 1963, Tafel 43.
Königinschrift, in:
Cuneiform Texts from Babylonian Tablets in the British Museum, Band XXI, Tafel
3, Ur Excavations, herausgegeben von C. J. Gadd, London 1928.
Sumerische und babylonische Keilschrift.
Das Determinativ einer Gottheit d ist die Abkürzung für dingir. Inanna ist die Göttin der Liebe
und die Stadtgöttin von Uruk. Der König ist lugal.
nita-kala-ga stark, mächtig.
„Für Inanna, die Herrin von Eanna (des Haupttempels von Uruk), seine Herrin,
Ur-Nammu, der mächtige König, König von Ur [2115-2095 vor Christus], König von
Sumer und Akkad, ihren Tempel baute er, an seinem Ort restaurierte er ihn.“
Ein Assistent sagte mir: „Es gibt einige, welche die Texte übersetzen können, aber nicht wissen, was in ihnen steht. Andere gibt es, die zwar wissen, was in den Texten steht, aber sie können sie nicht übersetzen.“
Das bedeutet: Einige Wissenschaftler beschreiben das Material, die Maße und die Beschaffenheit des Textträgers und der Schrift, geben etymologische und grammatische Erläuterungen, können den Text aber nicht in seinen kulturgeschichtlichen Zusammenhängen deuten.
Andere benutzen eine Übersetzung, die sie aber nicht philologisch überprüfen können. Sie stellen weit überspannende Bedeutungszusammenhänge dar, ziehen Schlußfolgerungen imd errichten ein beeindruckendes Gedankengebäude, das allerdings auf wackligen Füßen steht, weil der Text möglicherweise auch anders übersetzt werden kann.
Dies ist natürlich eine Schwarz-Weiß-Malerei. Beide Ziele, die philologische Verantwortung und eine angemessene Deutung, sollten verfolgt werden.
Bibliographie
Die
Entzifferung der Keilschrift
· Messerschmidt, Leopold, Die Entzifferung der Keilschrift, Leipzig 1903.
· Meyer, Wilhelm, Georg Friedrich Grotefends [1775-1835] erste Nachricht von seiner Entzifferung der Keilschrift, Göttingen 1893.
Die
Keilschriftzeichen
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· Labat, René, Manuel dʼépigraphie akkadienne, Paris 1948; herausgegeben von Florence Malbran Labat, Paris 61988.
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· Schramm, Wolfgang, Akkadische Logogramme, Göttinger Beiträge zum Alten Orient, Band 5, Göttingen 22010.
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des Akkadischen
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· Leonhardt, Hannes, Neuassyrische Grammatik, Leipziger altorientalistische Studien, Band 16, Wiesbaden 2024.
· Streck, Michael P., Altbabylonisches Elementarbuch, Porta Linguarum Orientalium Neue Serie, Band 23, Wiesbaden 2011.
· Tropper, Josef, unter Mitarbeit von Juni Hoppe, Akkadisch für Hebraisten und Semitisten, Hesed. Hebraica et Semitica Didactica, Band 3, Kamen 2011.
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Akkadische
Grammatiken
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· Soden, Wolfram Freiherr von (1908-1996), unter Mitarbeit von Werner R. Mayer, Grundriß der akkadischen Grammatik, Analecta Orientalia, Band 33, Rom 31995.
· Sommerfeld, Walter, Orthographie und Grammatik des Akkadischen, SANTAG. Arbeiten und Untersuchungen zur Keilschriftkunde, Band 3, Wiesbaden 1990.
· Ungnad, Arthur und Rudolf Macuch, Grammatik des Akkadischen, München 1969; 31979.
Akkadische
Wörterbücher
· Black, Jeremy, Andrew George und
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· Kämmerer, Thomas R., und Dirk Schwiderski, Deutsch-Akkadisches Wörterbuch, Alter Orient und Altes Testament, Band 255, Münster 1998.
· Soden, Wolfgang Freiherr von, Akkadisches Handwörterbuch, unter Benutzung des lexikalischen Nachlasses von Bruno Meißner (1888-1947), 2 Bände, Wiesbaden 1965.1972.
· Streck, Michael P., Nadežda Rudik und Janine Wende, Supplement to the Akkadian Dictionaries, Leipziger Altorientalistische Studien, Band 7, 3 Bände, Wiesbaden 2018f.2022.
Repertorium
· Borger, Rykle, Repertorium der sumerischen und akkadischen Texte, Handbuch der Keilschriftliteratur, 2 Bände, Berlin 1967.1975.
Assyriologie
· Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, herausgegeben von Bruno Meißner, Erich Ebeling und Ernst Weidner, 15 Bände, Berlin 1928-2018.
Namengebung
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Akkadische
Texte: Editionen
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· Borger, Rykle, Babylonisch-assyrische Lesestücke, Analecta Orientalia, Heft I: Elemente der Grammatik und der Schrift. Übungsbeispiele. Glossar, Heft II: Die Texte in Umschrift, Heft III: Kommentar. Die Texte in Keilschtift Rom 1963.
· Delitzsch, Friedrich, Assyrische Lesestücke nach den Originalen, theils revidiert, theils zum ersten Male herausgegeben und durch eine Schrifttafel eingeleitet, Leipzig 1876; 1878; 1885; Assyrische Lesestücke mit den Elementen der Grammatik und vollständigem Glossar. Einführung in die assyrische und semitisch-babylonische Keilschtriftliteratur für akademischen Gebrauch und Selbstunterricht, Leipzig 1900; 1912; 2010; 2022.
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Akkadische
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Babel-Bibel-Streit
· Johanning, Klaus, Der Bibel-Babel-Streit. Eine forschungsgeschichtliche Studie, Europäische Hochschulschriften, Abteilung 23, Band 343, Frankfurt am Main 1988.
· Lehmann, Reinhard G., Friedrich Delitzsch und der Babel-Bibel-Streit, Dissertation, Orbis biblicus et orientalis, Band 133, Freiburg im Üechtland 1994.
Sumerische
Lehrbücher
· Bord, Lucien-Jean, Petite grammaire du Sumérien à lʼusage des débutants, Geuthner manuels, Paris 2001.
· Colonna dʼIstria, Laurent, Übersetzung von Walther Sallaberger, Sumerisch. Eine Einführung in Sprache, Schrift und Texte. Mit 50 Texten von Gudea von Lagaš bis Lipit-Eštar von Isin, Band I: Die sumerische Sprache; Band 2: Sumerische Texte in Keilschrift. Zeichenliste; Band III: Glossar, Gladbeck, Lüttich und München 2023.
· Thomsen, Marie-Louise, The Sumerian
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Sumerische
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· Zólyomi, Gábor, An Introduction to
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Sumerische
Texte: Editionen
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· Bodine, Walter R., Vorwort von
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· Englund, Robert K., Proto-Cuneiform Texts from Diverse Collections, mit einem Beitrag von Roger J. Matthews, Materialien zu den frühen Schriftzeugnissen des Vorderen Orients, Band 4, Berlin 1996.
· Helle, Sophus, Enheduana. The
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· Thureau-Dangin, F., Sumerische und akkadische Königsinschriften, Vorderasiatische Bibliothek, I. Band, Abteilung 1, Leipzig 1907.
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Sumerische
Texte: Übersetzungen
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Band 1: Iscrizioni reali presargoniche della Mesopotamia, Testi del vicino
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· Sjöberg, Åke W.
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© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2025